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Die Wracks "Postjernan" und "Uwe"

Das Wrack „Polstjernan“ (Polarstern) liegt am Falkensteiner Elbufer, unweit vom Strand entfernt. Bei Ebbe kann man es, sogar ohne nasse Füße zu bekommen, erreichen. Das Schiff war ein alter Finnischer Viermastschoner, der voll mit Holz beladen im Jahr 1926 bei der Durchfahr des damaligem Kaiser Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal) in Brand geriet, da der Motor explodiert war. Die „Polstjernan“ wurde dann wenige Tage später nach Blankenese geschleppt, wo sie vorübergehend ankern sollte. Durch Schwierigkeiten mit der Versicherung, fühlte sich letztendlich keiner mehr für das Wrack verantwortlich und es blieb seitdem dort liegen. Da es bei Hochwasser immer wieder aufschwamm  wurde es nach dem 2.Weltkrieg mit U-Boot Schrott beschwert und dient seitdem als Wellenbrecher.


Wenige Meter elbaufwärts liegt ein zweites Wrack. Es  ist ein Binnen-Motorschiff namens „Uwe“, dass  mit Schüttsteinen beladen 1975 bei dichtem Nebel vor Wittenbergen von einem anderen Schiff gerammt wurde, auseinanderbrach und sank. Es wurde eher unfreiwillig bei der Bergung in vier Teile zerlegt und bis auf das Heck, da sich die Firma inzwischen auf Pipelineverlegung spezialisiert hatte, auch geborgen. Deshalb ragt heute nur noch der hintere Teil aus dem Wasser in die Höhe.


Wer sich einmal die Zeit nehmen sollte, dort an die Elbe zu gehen, um sich die urigen Wracks anzuschauen und eventuell vor geraumer Zeit beschlossen hatte, nicht zu einem Coach potato zu werden, sondern lieber mal ein wenig Sport zu treiben, diese Idee jedoch schnell wieder in Hinsicht auf die so großen Anstrengungen verworfen hatte, wird feststellen, dass es sich gelohnt hat aus dem wohlig warmen Zuhause auszubrechen und sich die herrlich frische Luft der Elbe um die Nase wehen zu lassen. Wenn Sie zu diesen Tatkräftigen gehören sollten, dann jedoch unten an der Elbe feststellen, dass Sie dort, wo Sie die Polstjernan erwartet hatten, lediglich ein paar aus dem Wasser ragende, verbogene Stahlstangen und Holzplanken sehen können und weiter links nur das Heck der „Uwe“ mit der Aufschrift Hamburg sehen, hat vergessen sich den Tidenkalender anzugucken.


Um die Zeit bis zur nächsten Ebbe zu überbrücken, können Sie, dem oberhalb des Falkensteiner Ufers liegenden Römische Garten, einen Besuch abstatten. Er lädt mit seinem antik angehauchtem Flair zum Schlendern und Verweilen ein. Der Ausblick von hier auf die Elbe ist prächtig. Statt dem Park einen Besuch abzustatten können Sie auch einen Kaffee in den Restaurants „Fischclub“ oder „Op´n Bulln“ auf dem ein wenig flussaufwärts gelegenem Ponton genießen. Als Tipp für alle Nichtkaffeetrinker, die heiße Schokolade im Opn´n Bullln schmeckt exzellent! Oder lieber nicht ganz so weit gehen und ein leckeres Fischbrötchen bei „Kajüte SB 12“ auf die Hand? Auch empfehlenswert ist es, sich einfach direkt hier vor Ort an den Strand zu legen und die Aussicht auf das gegenüberliegende Ufer mit der dazwischen liegenden Insel Neßsand,  zu genießen. Wenn man sich so die „Uwe“ anschaut, könnte man denken, dass sie gerade untergeht und nicht schon seit Jahrzehnten hier liegt. Auch die "Polstjernan" regt zum Nachdenken an. Die herausragenden Stahlstangen und Holzplanken könnte man sich auch als Skyline einer Stadt vorstellen, die in der Ferne am Wasser liegt.


Nun einige Zeit später sollte das Wasser weit genug zurückgegangen sein, sodass die „Polstjernan“, bis auf den im Rumpf liegenden Schlick, kompett sichtbar ist. Die „Uwe“ werden Sie jedoch wie oben beschrieben nie ganz zu Gesicht bekommen können. Spätestens jetzt dürften Sie nicht mehr ruhig am Strand liegen. Denn Ihr wahrscheinlich eingerosteter  Entdeckerinstinkt, müsste bei einem solch interessanten, ein wenig vermoderten und von Algen besetzten Wrack der „Postjernan“, wieder auf Hochtouren kommen. Wenn Sie nun näher herangehen, werden Sie bemerken, dass Sie ein wenig einsinken, da der Schlamm um die „Polstjernan“ sehr sumpfig ist und Ihre Füße ein kostenloses Moorbad bekommen. Ja, Sie haben richtig gehört, es gibt sogar heutzutage, abgesehen von kleinen Warenproben, von denen man regelrecht überschüttet wird, noch vollwertige kostenlose Dinge. Man muss sie nur suchen oder ein wenig Glück haben und  mehr oder wenig zufällig darauf stoßen.


Nachdem Sie sich ein wenig in dem wohlig kühlen Moorbad aufgehalten haben, wird sich Ihr kurzfristig unterdrückter Entdeckerinstinkt wieder zu Wort melden und Sie zum Wrack steuern. Neben dem Wrack stehend, sehen Sie, dass in den Trümmern noch Überreste von den hineingeschütteten U-Boot Teilen, sowie Reste der Schraubenwelle und des alten Glühkopfmotors liegen. Wenn Sie sich hier sattgesehen haben, sollten Sie der direkt daneben liegenden „Uwe“ noch einen kleinen Besuch abstatten. Sie ist nicht ganz so spektakulär wie die „Polstjernan“, hat jedoch auch ihren Charme. Als kleiner Tipp: Wenn Sie schwimmen können und das Schild: „Betreten der Wracks verboten!“ außeracht lassen, schwimmen Sie unbedingt auf die, dem Strand abgewandte Seite und klettern vorsichtig in des Schiff hinein. Es ist herrlich, so in einem alten Wrack zu sitzen, sich zu sonnen und die Zeit dahinziehen zu lassen. Die Stimmung ist dort eine ganz andere als an Land. Man hat das Gefühl als wäre man in die Vergangenheit gereist und sei ein alter, verschrobener, durch die See geprägter Kapitän, der auf seinem untergegangenen Schiff hockt, und es betrauert. Während man so in die Ferne schaut, sich eine Pfeife ansteckt, noch halb schlaftrunken da sitzt und einen Dieselgeruch in der Nase verspürt, wird man wieder von der Realität eingeholt und stellt fest, dass gerade ein großer Tanker vorbeigefahren ist. Wenn Ihnen in der Zwischenzeit nicht zu kalt geworden ist, müssen Sie  auf jeden Fall auf das Erscheinen des Sonnenuntergangs von dieser etwas anderen Sitzgelegenheit warten… er ist unbeschreiblich!


Zuletzt geändert am 27.06.2011 14:18 Uhr